Am 05.11.2004 wurde Ladyshake von der Ultimo Bielefeld interviewt. Da wir selbst mitge-
schnitten haben, gibt's hier einen Auszug aus dem Interview.

Ultimo: Inhalte und Ziele von Ladyshake.

Ladyshake: Ich denke was wichtig ist, ist, dass die Veranstaltungen die wir machen, unkommerziell sind. Und dass im Vordergrund steht, Parties zu gestalten mit Musik die wir mögen. Das heisst, dass wir auflegen, selber Musik machen…- die inhaltlichen Sachen können wir gleich noch mal auf den Punkt bringen.
Und das gilt halt auch für die Konzerte. Auch bei den Konzerten sind es Bands, die wir kennengelernt haben, die wir gut finden…

Ladyshake: Die wir kennenlernen wollen.

Ladyshake: Wo wir das Gefühl haben, dass es toll wäre, wenn diese Bands nach Bielefeld kommen.

Ladyshake: Es kommt und darauf an bzw. ein Ziel unserer Gruppe ist, Frauen+Ladies zu supporten in Kunst, Kultur und Politik. Das wurde gerade sehr allgemein gehalten: Es ist uns wichtig, dass es Frauen/Queerbands sind.
Die bis jetzt eingeladenen Bands kennen wir von Ladyfesten oder persönlich.

Ladyshake: Der Hintergrund dazu ist u.a. auch, dass es sich von der Musik her um eine Szene handelt, die relativ überschaubar ist. Dadurch lernt man sich schneller kennen, es entstehen schneller Verknüpfungen, und Publikum und Bands sind nicht so scharf getrennt wie vielleicht in der Mainstream-Musikszene.

Ladyshake: Und ich würd mal sagen, dass es auch ein Anspruch von uns ist, wenn wir Bands woanders kennenlernen -z.B. auf Ladyfesten- ihnen ein Forum zu bieten.
Gerade für viele kleine Bands gibt es oft gar nicht die Möglichkeit aufzutreten, und wir versuchen eine Szene zu schaffen, in der wir diese Bands supporten.

Ladyshake: Und das ist uns dann natürlich noch mal bezogen auf Bielefeld wichtig, da es der Raum ist, in dem wir leben. Letztlich sind das Bands, die ganz oft in Szenen zu Hause sind, die sich z.B. in Hamburg, Berlin, Köln abspielen, wo wir dann wenig die Möglichkeit haben, davon zu profitieren.

Ultimo: Wie politisch seid ihr?

Ladyshake: Zum einem ist unserem Verständnis nach politisch, das zu machen, was wir beschrieben haben: Dieser Szene ein Forum zu bieten, Frauen+Ladybands zu supporten, Räume zu schaffen in denen solche Musik und solche Inhalte dargestellt werden können. Das ist z.b. ein Teil, der für uns politisch ist.
Es ist eine politische Handlung, diese Bands zu supporten, diese Parties zu veranstalten und diese Musik zu spielen.

Ladyshake: […] Es ist ein politischer Akt bestimmte Pespektiven und Sichtweisen aufzuzeigen.

Ladyshake: Das Ganze in einem Kontext, den wir queerfeministisch genannt haben.

Ladyshake: Queerfeministisch ein Stichwort, postfeministisch ein anderes. Wir sind jetzt nicht auf diese eine Definition festgelegt, da jede ihrem eigenen [feministischen] Hintergrund mitbringt.

Ladyshake: Ein anderes Stichwort: Die Rriot-girl-Bewegung aus den 1990ern.

Ladyshake: Ich vermute, dass unser gemeinsamer Konsens darin liegt es so zu sehen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Geschlecht eine relevante Kategorie ist, und anhand derer verschiedene hierachische Positionen zugewiesen werden und dass Geschlech-
terrollen und Geschlechterbilder auf jeden Fall auch Zumutungen darstellen können oder auf jeden Fall kulturelle und historische Konstrukte sind, mit denen man sich auseinan-
dersetzen muss.
Und was jetzt queerfeministische und postfeministische Sachen kennzeichnet ist ja eben, dass es weniger darum geht, wie in den 1970 oder 1980er mit den klassischen politischen Mitteln gegen strukturelle Benachteiligung von Frauen zu kämpfen, sondern dass die Auseinandersetzung jetzt stärker in den kulturellen Raum geht, und sich dort wo sich auch da mit Geschlechterbildern, mit Uneindeutigkeit und widerständigen Praktiken auseinandergesetzt wird.

Ladyshake: Also ich glaube wichtig ist, dass wir uns auf das, was eben gerade gesagt wurde, beziehen. Das für uns aber immer noch im Vordergrund steht, dass wir keine Veranstaltungen machen, mit dem Ziel diesen theoretischen Hintergrund zu vermitteln sondern letztlich, dass wir uns mit bestimmten Dingen auseinandersetzen die darauf begründet sind. Und dies alles in Veranstaltungen fassen, die für uns mit viel Interesse und Spaß, und wenig mit etwas Moralisierendem verbunden sind.

Ladyshake: Wir arbeiten auf unseren Parties nicht nur mit Musik, sondern auch mit Visuals, die auch ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Parties sind. Die Visuals sind hauptsächlich von Frauen/Ladies/Queers, zu bestimmten Themen, oder Visuals, die das Thema behandeln (auf eine feministische/queere Weise). Wir wollen damit unsere Inhalte auch noch mal visuell rüberbringen, und die Visuals sind noch mal ein großer Teil unserer Parties.

Ladyshake: Wir machen die Parties nicht als politische Veranstaltung, sondern wir machen Parties und Konzerte, auf denen politische/feministische Themen eine große Rolle spielen.

Ladyshake: Da möchte ich gerne einhaken: Es ist nicht so stark abzugrenzen von einer politischen Veranstaltung, denn ich weiß, dass in einer bestimmten Szene, auch in der linken Szene, es bestimmte Teile gibt, die sehr gerne unterscheiden zwischen politisch und kulturell, und kulturelle Veranstaltungen sind dann per sé unpolitisch. Und für uns sind diese Veranstaltungen auch ganz klar ein Politikum.

Ladyshake: Das meinte ich auch vorhin damit, dass Kennzeichen von einer postfeministischen Politik genau das ist: kulturelle Veranstaltungen auch als Politikum zu betrachten und auch im Feld von Kultur Politik zu machen. Und eben genau diese Trennung nicht zu machen: Konzerte ist Kultur, und Politik ist, wenn man eine Demo auf der Strasse macht.

Ladyshake: Und wir denken schon, dass wir mit unseren Veranstaltungen etwas vermitteln können, auch wenn wir kein Referat halten.

Ladyshake: Der politische Aspekt zeigt sich auch noch mal darin, dass wir nicht mal gerade so eine Party planen, sondern in den Vorbereitungen total viel Arbeit und Zeit drinsteckt. In Recherchen, Treffen, Auseinandersetzungen, Materialsichtung und -bearbeitung. Und die ganze Arbeit wird von uns bewältigt -comletely diy. ;)

Ladyshake: Wir sind keine homogene Gruppe, und es ist kein Anspruch, dass eine immer das sagen muss, was die anderen unbedingt repräsentiert, aber dass es schon für die Gruppe passt.

Ladyshake: Es geht ja in den neueren theoretischen Richtungen ganz viel um Differenz und Umgang mit Vielfalt, und das ist für uns nicht nur eine theoretische Geschichte, sondern sehr wichtig für die Art, wie wir miteinander umgehen wollen.